Soul Calibur blieb seinen Wurzeln schon immer treu und das ist es, was die Fans an dieser Reihe von Namco Bandai besonders mochten. Nicht nur den Vorgängern blieb die Reihe treu, sondern gleichzeitig schafften es die Entwickler jedesmal neue Elemente einzubauen, die dem Spiel-Erlebnis immer einen draufsetzten und es verbesserten. „Soul Calibur V“ jedoch, zieht diesmal die wohl größte Änderung mit sich, die die Reihe je erfahren musste.
Die Geschichte ist 17 Jahre nach den Geschehnissen vom vierten Teil angesiedelt. Deshalb hat sich auch der Hauptprotagonist der Serie geändert. Mit seinen 39 ist Siegfried Schtauffen nun nicht mehr der Führer des legendären Soul Calibur. Diese Ehre gebührt nun Patroklos Alexander, Tochter von Sophitia und mit ihm kommen noch eine ganze Reihe weiterer Neulinge in die Kämpferriege hinzu. Gleichzeitig müssen dafür aber auch eine ganze Reihe alter Veteranen das Feld verlassen. Mit Charakteren wie Leixia, Natsu und Xiba kommen zum Beispiel Ersatzfiguren für Xianghua, Taki und Kilik. Während diese den Stil ihrer Vorgänger übernommen haben, bringen sie dazu noch einige ihrer eigenen Moves mit ins Spiel. Auch komplett neue Moveset sind im Spiel vertreten. Darunter Z.W.E.I. und Viola, deren Kampfstile einen etwas angehauchten magischen Touch haben und dem kompletten Cast etwas Abwechslung verschaffen, auch wenn es auf den ersten Blick etwas „unpassend“ wirkt.
Viele Altbekannte Gesichter sind wieder mit dabei. Darunter Mitsurugi, Tira, Ivy, Astaroth und Maxi. Bei einem Zeitsprung von 17 Jahren erwartet man, dass einige sich ziemlich stark verändert haben, aber das Gegenteil ist hier der Fall. Vielleicht hatte ich zu viele Erwartungen bezüglich des Charakterdesign, aber bei gewissen Charakteren hätte man mehr erwartet (Ja, ich schau dich an, Maxi!). Obwohl die Designs der Charaktere sich nicht großartig stark von SC IV verändert haben, sehen die Figuren einfach fantastisch aus. Der Vorgänger überzeugte bereits mit den fantastisch-aussehenden Charakteren, aber „SC V“ schafft es den Vorgänger in Sachen Grafik leicht zu übertrumpfen und man kann mit Sicherheit behaupten, dass „Soul Calibur V“ das wohl schickste und bestaussehende Beat’em Up bisher ist. Die Charaktermodelle, die Präsentation, die Hintergründe/ Arenen und die Lichteffekte sehen einfach großartig aus.
Aber heutzutage ist Grafik natürlich nicht alles. Also was gibt es in „Soul Calibur V“ zu entdecken? Ein kurzweiliges Vergnügen bereitet der Story Mode, der in knapp 20 Kapitel aufgeteilt ist, aber bereits in ca. einer Stunde durchgespielt ist. Im Story Mode dreht es sich hauptsächlich nur um Patroklos, seine Schwester Pyrrha und Z.W.E.I.. Held Patroklos versucht dabei seine seit der Kindheit verloren gegangene Schwester zu finden. Diese wird derweil von Tira für dunkle Machenschaften genutzt. Zwar tauchen einige Charaktere in der Story auf, man übernimmt aber nur die Kontrolle von den drei oben genannten. Einige Charaktere kommen in der Story gar nicht auf und ein Großteil nur sehr spärlich. Die Story wird dabei hauptsächlich durch simple Zeichnungen in einem Buch erzählt. Ab und zu lockert eine Zwischenszene das ganze ab. Es ist recht schade, dass ein so schönes Spiel hauptsächlich durch Zeichnungen erzählt wird. Die Story an sich ist solide und einigermaßen interessant, aber dafür auch kein Meilenstein und sehr vorausschaubar. Der Story Mode lässt viel zu wünschen übrig, vorallem, weil es keine individuellen Enden für jeden der Charaktere im Arcade Mode gibt, wodurch manche Charaktere überhaupt keine Story relevante Verbindung zum Ganzen aufbauen können. Vergeudetes Potenzial.
Abseits davon bietet der „Schnellkampf“ Abwechslung für Zwischendurch, denn hier gilt es viele vom Computer erschaffene Charaktere oder altbekannte Charaktere zu besiegen, um Titel einzuheimsen. Von diesen gibt es eine Menge und ein Großteil der Gegner ist nicht leicht zu besiegen. Somit ist etwas Wiederspielwert gegeben. Daneben gibt es noch den „Legendären Seelen“ Modus, welcher quasi ein „Boss Mode“ ist. Unfair und schwer und macht mir persönlich keinen Spaß. Wirklich nur was für hartgesottene Beat ´em Upler und Soul Calibur Profis. Standard-Modi, wie Zeitkampf, Teamkampf oder Überleben fehlen komplett. Auch fehlt so ein weiterer epischer Modus wie der „Waffenmeister Modus“ (SC II) oder „Tower of Lost Souls“ (SC IV), der den Einzelspielermodus um einiges aufgewertet hat.
Deshalb verbringt man den meisten Teil zum einen doch eher Online. Kurz gesagt ist der Online-Modus im Vergleich recht standardmäßig geblieben. Wie immer gibt es Ranglisten-Kämpfe und Mehrspieler-Kämpfe. Während man bei Ersteren gegen einen Unbekannten antreten muss um Ränge aufzusteigen, dient Letzteres eher zum Spaß in der Gruppe. In einem Raum können bis zu 6 Spieler teilnehmen und zwei Kämpfen jeweils gegeneinander, während der Rest zuguckt und kommentiert. Dabei kann der Raum privat eingestellt werden oder für jeden öffentlich zugänglich gemacht werden.
Eine nette Neuerung ist das „Kolosseum“ in denen eine ganze Reihe an Spielern in einen Raum zusammen kommen kann. Quasi wie eine Lobby kommen hier alle zusammen, chatten miteinander, fordern andere heraus oder nehmen an kleinen „Wettkämpfen“ teil (z.B. gegen einen zufälligen anderen Spieler kämpfen).
Auch das Gameplay erfuhr einige Neuerung, die die Fans in zwei Parteien spaltet. Zum einigen gibt es die „Kritische Energie“ neben dem Lebensbalken. Typisch wie in anderen Beat em Ups lädt sich die Leiste durch Treffer und Angriffe immer weiter auf und hat dabei eine Mehrzweck-Funktion. Zum einen lassen sich damit die „Kritische Klinge“, eine Art Super-Special-Move mit besonderen Kameraperspektiven und schicken Effekten, ausführen. Etwas schwächer ist die „Kühne Klinge“, die eine verstärkte Version eines normalen Angriffs darstellt und außerdem benötigt der „Guard Impact“, bereits aus den Vorgängern bekannt, nun auch Energie. Die Kämpfe bleiben der Reihe aber treu: Absolut fiese und schicke Moves/ Combos, schnelle und unkomplizierte Kämpfe und alles unterlegt mit einem großartigen orchestralen Soundtrack. Eingefleischte Fans werden aber etwas verdutzt sein, weil auch die alteingesessenen Charaktere teilweise große Veränderungen gameplaymäßig durchmachen mussten (z.B. Mitsurugi).
Soul Caliburs „Erstellungsmodus“ ist schon seit einigen Vorgängern ein kleines „Highlight“ im kompletten Game. Kein Erstellungsmodus ist so detailliert und ausgefeilt wie der von Soul Calibur und auch im neuesten Teil kommt dieser mit einigen Neuerungen auf. Zum einen kann die Größe und Proportion der Charaktere verändert werden, womit auch übergewichtige Charaktere erstellt werden können. Einzelne Gliedmaßen können dabei auch nach Lust und Laune proportioniert werden und selbst die Waffe und der Waffenschweif können farblich verändert werden. Dazu kann man dem Charakter nun auch mit Sticker, Muster und anderen Objekten bestücken. Die Auswahl ist riesig und die Möglichkeiten fast unbegrenzt. Es ist sogar möglich mit Leichtigkeit Charaktere aus anderen berühmten Franchises zu erstellen wie dieser Blog wunderbar darlegt. Vielleicht kommt es mir nur so vor, aber sehr viele neue Objekte gibt es irgendwie nicht im Vergleich zum vierten Teil, aber vielleicht liegt das nur daran, dass ich noch nicht mal annähernd alles freigeschalten habe. Wer will kann auch die Originalcharaktere bekleiden oder farblich umgestalten. Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt!
Namco Bandais epischer Waffenprügler ist definitiv kein schlechtes Spiel. Jedoch wirkt der Titel in manchen Ecken und Kanten unausgereift und unfertig. Besonders der Einzelspieler-Modus ist sehr schwach ausgereift und bietet nicht mehr die Abwechslung, die alle Vorgänger boten. Man hat einfach zu schnell alles gesehen. Die meiste Abwechslung entsteht dadurch hauptsächlich online, zu zweit oder im Erstellungsmodus und selbst Gaststar Ezio Auditore di Firenze, der sich wunderbar in den Charaktercast mischt, ist nur ein nettes Feature von den Entwicklern, der den harschen Charaktercut von vielen Fan-Lieblingen wie unter anderem Zasalamel, Talim, Amy, Yun-Seong und Seong-Mi-na aber nicht gut macht. Oh, warum mussten sie uns verlassen?!
8,0 von 10,0 – Es spielt sich großartig und auch die Präsentation ist absolut gelungen. „Soul Calibur V“ gehört definitiv zu den besten Beat em Ups bisher, auch wenn es in gewissen Punkten ziemlich schwach ausfällt.














